beauty and the beast

Kaliningrad, Moskau 2009
Bernstein-Mosaik, 230cm x 133cm

In Kaliningrad steht der Dom Sowjetow, das Haus der Sowjets im Volksmund „das Monster“ genannt. Davor trifft sich die Jugend der Stadt auf dem Platz des ehemaligen Schlosses. Gerüchten zufolge soll sich das Bernsteinzimmer in den darunter liegenden Hohlräumen befinden. Ein von Empfangshalle inszeniertes Fotoshooting war Ausgangspunkt für einen öffentlichen Wettbewerb. Die Bürger wählten über verschiedene Medien ihre „Schönheit“ zu ihrem „Monster“. Das Gewinnerbild wurde zum größten bekannten Bernstein-Mosaik und im örtlichen Bersteinmuseum ausgestellt.

Interview von Irina Chesnokova mit Empfangshalle

Wie hat sich Ihre Projektarbeit gestaltet?
Unsere Projektarbeit erinnerte an das Sammeln eben jenes Bernsteinmosaiks: Zu jedem einzelnen Stück Bernstein das nächste, dazu passende Stück zu suchen. Genauso haben wir unsere Eindrücke gesammelt und uns bemüht, aus ihnen ein ganzes Bild zusammen zu setzen. Uns war schnell klar, dass das Bild vom Haus der Räte für uns wichtig ist und der Ort, an dem es gebaut wurde, den ehemaligen Schlossplatz von Königsberg. Es ist ein echtes Symbol dieser Geschichte: Niemand wohnt darin, aber es existiert, und die Stadt und ihre Einwohner müssen darüber nachdenken, was sie mit ihm machen und wie sie mit ihm leben sollen.
Ist das Thema Geschichte Ihrer Meinung nach das Wichtigste in Kaliningrad?
Geschichte ist bis jetzt noch eine offene Wunde für Kaliningrad. Der Krieg und die Jahre danach leben bis heute im Gewebe der Stadt weiter. Es scheint, als ob die Menschen sich bis jetzt noch nicht mit der Stadt identifizieren konnten. Hier sind so viele historische Schichten miteinander vermischt. Erstens ist da das alte Königsberg, dessen Bild für die Einwohner sehr wichtig ist. Die russische Bevölkerung fühlt sich zu den alten Königsberger Wurzeln hingezogen. Zweitens findet man die sowjetische Epoche, während der die Reste der Altstadt zerstört und eine neue Stadt gebaut wurden. Die dritte Schicht ist die der Gegenwart mit dem Streben nach dem Neuen, mit der Werbung, mit ihrer Leuchtkraft und Dynamik. Und wir haben uns gefragt: Was könnte wohl das Symbol eines modernen Königsbergs sein? Wenn wir zur Erinnerung eine Postkarte aus Kaliningrad gekauft hätten, was wäre dann wohl darauf abgebildet gewesen? Wir beschlossen, unser ganz persönliches Kaliningrader Souvenir herzustellen. Aus seiner Geschichte haben wir den Bernstein genommen, aus der sowjetischen Vergangenheit das Haus der Räte, und die Frage nach der Gegenwart haben wir den Kaliningradern selbst gestellt.

Art on Site, NCCA Moskau und Goetheinstitut, 3. Moskau Bienale, Russland