Gläubiger und Schuldner

Zweikanal Videoinstallation, 2016

In ihrer Videoinstallation „Gläubiger & Schuldner“ begeben sich Empfangshalle an einen Ort, wo sich Reichtum und Elend buchstäblich gegenüberstehen. Unweit des Münchner Hauptbahnhofs und in unmittelbarer Nähe zum Atelier der beiden Künstler liegt die Abtei Sankt Bonifaz, die seit vielen Jahren mit ihrer Suppenküche, der Kleiderkammer, den Duschen und einer Arztpraxis ein zentraler Anlaufpunkt für Obdachlose ist. Auf der anderen Seite der Karlstraße befinden sich die Lenbach Gärten, ein relativ neues und hochexklusives Gebäudeensemble, das ein 5-Sterne-Hotel, Büro- und Wohnhäuser mit Butlerservice und Portier beherbergt.

Und dazwischen zwei Männer dunkel gekleidet, die in einer Endlosschleife diese Karlstraße überqueren wie eine Schwelle. Während der Weg des einen von der Weihwasserschale der Abteikirche zum Brunnen auf der Piazzetta führt, geht der Weg des anderen in die entgegengesetzte Richtung, vom Arkadien des von einem Sicherheitsdienst überwachten, mediterran anmutenden Platzes zum Portal der Kirche, wo nachts unter den Arkaden des Säulendachs die Obdachlosen campieren. Kurz kreuzt sich der Weg der beiden Künstler, doch eine Interaktion findet nicht statt. Ihre Augen bleiben auf den jeweiligen Zielpunkt ihres Weges gerichtet: den Brunnen und das Weihwasserbecken. Dort vollziehen sie dann ein Reinigungsritual – die Handwaschung als Reinigung des Körpers, die in allen Kulturen praktiziert wird, und das Kreuzzeichen mit Weihwasser, das an die christliche Taufe erinnert als symbolische Reinwaschung von der (Erb)Sünde.

Freilich entpuppt sich das Ziel nur als Zwischenstation, denn es scheint als wären die beiden Männer in keiner dieser Sphären gänzlich aufgehoben. Das Andere scheint jeweils anziehender. Und so führt der Weg weder ins Innere der Kirche, noch in die Privaträume der Luxusbauten. Empfangshalle machen kehrt, immer und immer wieder, nur um erneut das Reinigungsritual zu vollziehen, als gelte es, an einem Ort die Spuren des jeweils anderen Ortes zu tilgen.

Die Paradoxie vom Nebeneinander von reich und arm, von Materialismus und Spiritualität wird in ein Bild gebannt: das Ritual, das selbst eine Schwelle markiert – die Hygiene als Trennung zwischen Öffentlichem und Privatem, und die Wiederholung der Taufe an der Schwelle zwischen Profanem und Sakralem –, löst sich auf und wird zum Selbstläufer.

Gruppenausstellung „7 Totsünden“ in der VerpackereiGö.

21 zeitgenössische Künstler setzten sich mit dem Thema „Die 7 Todsünden“ auseinander.