Wäsche

Einzelausstellung an zwei Orten

in der Galerie der DG

und in der Kirche St. Paul München

9.9.  –  11.11. 2017

Im Rahmen der OPEN art eröffnet die Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V. (DG), in Kooperation mit der Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising, die Ausstellung ‚Wäsche’ des Münchner Künstlerduos EMPFANGSHALLE. Partizipation von Dritten ist ein wesentlicher Bestandteil des künstlerischen Schaffens von Corbinian Böhm und Michael Gruber, die seit 2000 unter dem Namen EMPFANGSHALLE zusammenarbeiten. Neben klassischen Skulpturen entstehen somit auch performative und ephemere Arbeiten, deren Verlauf das Unvorhersehbare durch die Interaktion der Menschen widerspiegeln. In der Galerie der DG sind neue Arbeiten der Künstler zu sehen, darunter eine Rauminstallation, Fotografien und eine Auswahl an Videoarbeiten.

Ausgangspunkt der Ausstellung ‚Wäsche’ ist die Intention, zwei Orte im Zentrum Münchens, die nicht unterschiedlicher sein könnten, mit ihren gesellschaftlichen Realitäten zu verknüpfen: Die Kirche St. Paul und die Galerie der DG. EMPFANGSHALLE schafft dafür ein Bild. Gesammelt werden Kleider rund um St. Paul: Liturgische Gewänder, Altkleider der Gemeinde sowie Fundstücke obdachloser Wanderarbeiter, die unter anderem auf den Stufen des Kirchenportals schlafen. Diese Kleidungsstücke werden zusammen in einer in der Galerie aufgestellten Industriewaschmaschine gereinigt und als Rauminstallation zum Trocknen auf eine Wäscheleine gehängt. So entsteht ein buntes Wäschebild der Gesellschaft des Bahnhofsviertels in einer der teuersten Lagen Münchens, am Odeonsplatz.

Der Kirchenraum in St. Paul wird mit den Waschvorgängen in der Galerie verbunden. Dazu projiziert EMPFANGSHALLE das Bild einer Waschmaschinentrommel auf das große gotische Rosetten-Fenster über dem westlichen Eingangsportal der Kirche. Besucher des Kirchenraums haben zudem die Möglichkeit, an einer großen gemeinsamen Waschstation Teil einer Videoarbeit zu werden, die als Projektion in der Galerie der DG zu sehen ist. Besonders im Kontext des sakralen Raums klingen hier vielfältige Assoziationen an: Reinigung, Umkehr, Versöhnung.

Das Waschen aller Kleidungsstücke in einer Maschine erscheint wie die Umsetzung des Bibelzitates Levitikus 19,18 in Anlehnung an die Übersetzung von Buber/Rosenzweig „Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.“ Alle Menschen sind miteinander verbunden in ihrer Kreatürlichkeit, ihren Hoffnungen, Wünschen, Nöten, Abgründen und eben in der Notwendigkeit, sich regelmäßig zu waschen und zu kleiden. Dieses kollektive Menschsein und das Teilen eines gemeinsamen Schicksals unterstreicht EMPFANGSHALLE in der Fotoserie ‚Betende Hände’, die in der Galerie der DG ausgestellt ist. Auf den Fotos stellen gefaltete beziehungsweise ineinander verschränkte Hände von jeweils zwei unterschiedlichen Personen das etwas überstrapazierte Motiv ‚Betende Hände’ von Dürer bewusst nach.

Die Arbeiten strahlen durch die dargestellte Gestik, ihre Textur und Farbgebung eine versöhnliche Innigkeit, Sinnlichkeit und Harmonie aus, die auf den Betrachter tröstend und ausgleichend wirken und Hoffnung auf Verständigung wecken.

In der öffentlichen Diskussion hingegen werden vielfach die Unterschiede zwischen den Menschen betont, nicht aber das sie Verbindende. In der Galerie der DG diskutiert EMPFANGSHALLE diese scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen den verschiedenen Lebenswelten in ihrer Zweikanal Videoinstallation ‚Gläubiger & Schuldner’ (2016). In dem Video begeben sich die Künstler an einen Ort, an dem sich Reichtum und Elend buchstäblich gegenüberstehen. Unweit des Münchner Hauptbahnhofs liegt die Abtei Sankt Bonifaz, ein zentraler Anlaufpunkt für Obdachlose. Auf der anderen Seite befinden sich die Lenbach Gärten, ein hochexklusives Gebäudeensemble. Dazwischen navigieren die Künstler in einer Endlosschleife, jeweils aus der entgegengesetzten Richtung kommend.

 

 

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