Olympiastadion München – Olympia 1972

Künstlerische Interventionen und Projekte mit den Original-Sitzen aus dem Münchner Olympiastadion

Empfangshalle verarbeitet künstlerisch die Sitze aus der Arena des Münchner Olympiastadions, die aufgeladen sind mit allem, was seit 1972 geschehen ist: angefangen mit der Olympiade, den heiteren Spielen, über das Attentat bis hin zu all dem, was danach geschehen ist.

Wippe

Empfangshalle präsentiert die zu Wippen umgebauten Sitze aus dem Münchner Olympiastadion im öffentlichen Raum. Baut Arenen an ausgewählten Orten wie zum Beispiel am Hauptbahnhof, am Flughafen, im Hof der Residenz, vor dem Olympiastadion etc.

Die Wippen wirken magnetisch auf die Passanten, auf ihnen werden sie zum wogenden Publikum. Das Wogen bedingt Kommunikation: Nur so kann Balance gefunden werden. Mit dem Auf und Ab der Wippen stellen sich Fragen nach den Inhalten der Aktion. Hinweise auf mögliche Antworten finden sich auf den Informationstafeln. Erst jetzt, durch die individuelle Wahrnehmung der geschichtlichen Ereignisse, wird die bisherige Aufladung der Sitze freigesetzt. Die Wippen selbst werden zu Kommunikationsgeräten, mit deren Hilfe die geschichtliche Aufladung realisiert, interpretiert, ergänzt und ihre Bedeutung verändert wird: Sie werden mit den individuellen Wahrnehmungen der aktuellen Ereignissen aufgeladen.

Die Spiele gehen weiter.

Laden und Löschen

Ein vierachsiger Autokran hebt einen Ring, auf dem 32 Sitzschalen montiert sind, an Stahltrossen in die Höhe. Doch schon nach einigen Zentimetern stoppt die Aufwärtsbewegung, und in dieser Position soll das Publikum auf den Sitzschalen Platz nehmen und damit den Ring ins Pendeln, ins Drehen, in Bewegung bringen. Über zwei rollbare Leitern, Flughafen-Gangways sehr ähnlich, kann man den inneren Rund betreten und sich auf einen Platz schwingen. Zudem steht ein Stapel einzelner Sitze bereit, von dem sich das Publikum bedienen darf und selbst einen Platz am festen Boden wählen kann. Auch Verzicht auf Bewegung ist möglich.

In dem Moment, in dem das Publikum den Ring besteigt, um Platz zu nehmen, beginnt der Vorgang des Ladens. Das ist tatsächlich ein Beladen des Kunstwerks mit der Last unseres Körpers und ist zugleich Metapher: Wir laden den Ring mit persönlicher Energie, wir laden das Werk durch unsere Teilhabe mit Bedeutung auf. Durch unsere Ladung passiert etwas mit dem Werk. Die Richtung der Bewegung ändert sich nämlich, je nachdem, ob wir ganz stillsitzen, schaukeln, mit Anderen kommunizieren. Ebenso mehrdeutig ist der Begriff des Löschens: er bezeichnet das Entladen beispielsweise eines Schiffes; hier ist es das materielle Entladen des Kunstwerks im Moment, in dem wir es verlassen. Gleichzeitig löschen wir unseren Einfluss auf das Werk, hinterlassen keine Spuren, sondern überlassen unseren Platz dem Nächsten. Der temporäre Aspekt der Arbeit wird durch dieses Begriffspaar „Laden und Löschen“ sehr deutlich.

Temporär ist auch die Aufstellung des Werks: nur zu bestimmten, angekündigten Zeiten findet „Laden und Löschen“ statt. Nicht ständig verfügbar, gleicht es einem zelebrierten Ritual, allerdings ohne Zeremonienmeister und mit einem eher zufälligen Publikum. Die nicht alltägliche Wiederkehr des Ereignisses wird zu einer Art Kunst-Epiphanie für den kommunikativen Akt, den das Platz nehmen darstellt. Diesen Eindruck unterstützt sowohl die schwebende Situation des Ringes, der quasi über Gangway-Stufen betreten wird, als auch seine Form selbst: Der Kreis ist prädestiniert für rituelle Ereignisse, ist die Tafelrunde, der Runde Tisch etc.. Doch entgegen der hehren Ansprüche ist er hier auch Schaukel, die zum mit- oder gegeneinander Schwingen einlädt.