Waschende Hände

Videoinstallation – Waschstation, 2017 – 2019

Sich die Hände zu waschen ist eine der alltäglichsten Handlungen, man beherrscht sie quasi im Schlaf und schenkt ihr in der Regel keine große Beachtung. Empfangshalle jedoch rückt diesen Vorgang in ihrer partizipatorischen Rauminstallation „Waschende Hände“ ins Zentrum und eröffnet eine völlig neue Perspektive auf diese Routine.
Das Publikum muss sich auf eine neue Erfahrung einlassen. Das ist die Voraussetzung. Sie waschen sich nämlich nicht einfach selbst die Hände, sondern mit nur einer Hand wäscht jeder die Hand einer anderen Person. Die Routine wird aufgebrochen, die so simple Handlung erscheint seltsam fremd. Dafür hat Empfangshalle eine Art Waschstation installiert, eine Stele mit zwei Seiten: eine davon ist konkav geformt und mit Sensoren ausgestattet, um Wasser fließen zu lassen und den Akt der Handwaschung zu filmen.
Direkt nach der Handwaschung, können sich die Teilnehmer auf einer Monitorwand auf der gegenüberliegenden Seite der Stele ein Video davon ansehen. Sie sehen dort die eben vollzogene Handlung 25-fach langsamer ablaufen, also durch eine extreme Zeitlupe stark verfremdet, was eine unglaubliche Nähe erzeugt. Die geradezu in hypnotischer Langsamkeit ablaufenden Bilder sprühen vor sinnlicher Intimität, die in der Wirklichkeit nicht aufzuscheinen vermochte. Die Hände vollführen eine beinah lustvolle Choreographie, der gar nichts mehr von der pragmatischen Ebene der Reinigung anhaftet. Sie scheinen sich um ihrer selbst willen im Wasserstrahl zu drehen – eine höchst ambivalente Darstellung, die den Betrachter mit einer ungewohnten Uneindeutigkeit konfrontiert und seine Sehgewohnheiten in Bezug auf den eigenen Körper herausfordert.
Indem Empfangshalle (in dem sakralen Kontext einer Kirche) diese immer vorhandene, jedoch oft nicht wahrgenommene Sinnlichkeit thematisiert, wird ein symbolisch sehr dichter Raum eröffnet, der sowohl auf antike und biblische Motive anspielt („eine Hand wäscht die andere“; „sich die Hände in Unschuld waschen“) als auch daran erinnert, welche zentrale Rolle der Wechsel der Perspektive spielt, damit sich zwei fremde Menschen auf Augenhöhe begegnen können.

Markus Ostermair